Ernährung

Ein gelungener Rückschritt (3/3)

Ja, ich liebe Fleisch – Brokkoli ist aber auch in Ordnung. Und weil das so ist, ist es beinahe schon absurd, dass ich in den letzten zwei Jahren meines Lebens fast ausschließlich von tierischen Erzeugnissen gelebt habe. Gleichermaßen absurd ist für mich hingegen aber auch die Vorstellung vegan, also ausschließlich pflanzliche Erzeugnisse, zu konsumieren. Doch wo ist der Mittelweg und wie könnte er aussehen?

Paleo – Ein Lösungsansatz?

Wie in meinem letzten Artikel schon festgestellt, scheint die Lösung für eine gesunde und nachhaltige Ernährung in einem Rückschritt zu liegen.

Auf meiner Suche nach Antworten auf die Frage, wie die Menschen vor der neolithischen Revolution gespeist haben, stieß ich immer wieder auf einen vergleichsweise neuen Ernährungstrend, die sogenannte Paleoernährung, die allgemein hin auch als „Steinzeiternährung“ bezeichnet wird.

Die Paleoernährung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass alle Lebensmittel, die man zu sich nimmt, unverarbeitet und nährstoffreich sind. Industriell vorgekochte, vorgebrühte oder anderweitig verarbeitete Nahrung gehört nicht zu den Zutaten, die „Paleoganer“ konsumieren. Ebenfalls kein Bestandteil der Steinzeiternährung sind Getreideprodukte, insbesondere der umstrittene Weizen, Zucker und Milch sowie Milcherzeugnisse wie Joghurt, Käse und Sahne.

Das hört sich doch erst einmal gut an, oder?

Ein großes Problem, welches ich mit der Paleoernährung habe, ist die fehlende Nachhaltigkeit dieser Ernährungsweise. Zwar sprechen ausschließlich frisch zubereitete Nahrungsmittel und eine ausgewogene Mischkost für die eigene Gesundheit, die Nachhaltigkeit hingegen bleibt bei der Steinzeiternährung gänzlich auf der Strecke.

Es ist in der modernen Welt ein offenes Geheimnis, dass die Fleischproduktion ein regelrechter Klimakiller ist und von allen Nahrungsmitteln den höchsten Trinkwasserverbrauch zu beklagen hat.

Als „Paleoganer“ könnte ich also mutmaßlich gesund leben, mein Fußabdruck hingegen wäre ähnlich groß wie bisher.

Paleoflexitarismus – Der Mensch und seine Verwandten

Den Ansatz, den die Steinzeiternährung verfolgt, ist für mein Empfinden der richtige. Eine gesunde und natürliche Ernährungsweise ist schließlich genau das, was ich suche. Die Lösung ist die Steinzeiternährung hingegen nicht, denn die Nachhaltigkeit ist mir mindestens genau so wichtig wie die eigene Gesundheit; schließlich läuft schlussendlich nämlich beides Hand in Hand und meine Gesundheit ist nicht zuletzt auch von der Umwelt abhängig, in der ich lebe, atme und mit der ich interagiere. Doch auch wenn Paleo nur einen Ansatz bietet, hat mich die Idee hinter dieser Ernährungsweise deutlich weiter gebracht als alle anderen zuvor vorgestellten Ernährungsweisen.

Wie der Mensch in der Steinzeit genau lebte, darüber kann die Wissenschaft in den allermeisten Hinsichten nur mutmaßen. Natürlich gibt es Beweise für bestimmte Verhaltensweisen, einschließlich der Ernährung, allerdings gibt es bisher nur ansatzweise Indizien für das Gesamtbild der Menschheit aus dieser Zeit.

Doch es gibt eine andere Möglichkeit die alte Menschheit noch heute entdecken zu können. Die Rede ist dabei von indigenen Völkern, die keinen bis kaum Kontakt zu der modernen Zivilisation halten und auch ein Blick zu unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, kann durchaus aufschlussreich sein.

Wenn man die ursprünglich lebenden und sich ernährenden Menschen aus extremen Klimazonen, so wie die Inuit, aus der Recherche herauslässt, dann ergibt sich insgesamt ein klares und deutliches Bild. Die allermeisten unserer „primitiven Mitmenschen“ ernähren sich zu einem großen Teil pflanzlich. Nur ein relativ kleiner Teil der Ernährungsweise besteht aus Fisch und noch seltener auch aus Fleisch.

Auch bei unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Der Gorilla beispielsweise ernährt sich aktuellen Erkenntnissen zufolge zu 97% von pflanzlicher und zu 3% von tierischer Kost, darunter Insekten und in seltenen Fällen auch Kleinstwild und Aas.

Nimmt man sich sowohl an den indigenen Völkergruppen als auch an unseren nächsten Verwandten hinsichtlich der Ernährung ein Beispiel, so scheint es eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise durchaus zu geben.

Vor allem die indigenen Völkergruppen sind im Rahmen der gesundheitlichen Aspekte durchaus interessant, denn viele Krankheiten, wie Demenz und Alzheimer, aber auch Erkrankungen des Blutkreislaufes, kennen diese Menschen nicht oder nur in seltensten Fällen.

Zudem leben sie seit vielen tausend Jahren so, wie sie auch heute noch leben. Eine geografische Entwicklung findet nur in den aller wenigsten Fällen statt und dies aus klimatischen Gründen und nicht, weil sie ihre Umgebung überholzt, übersäuert oder anderweitig überstrapaziert haben.

Einen Versuch ist es wert

Angesichts meiner momentanen, nur wenig nachhaltigen und noch weniger gesunden Ernährung kann es schlimmer kaum noch werden. Der Versuch, einen Rückschritt zu wagen, ist es daher allemal wert.

Zunächst einmal möchte ich meine neue Ernährungsweise experimentell ausprobieren und lernen, mit frischen Lebensmitteln zu interagieren, sie zu verarbeiten und zu etwas Leckerem zu kochen. Ich möchte lernen, mich von industriell verarbeiteten Lebensmitteln fernzuhalten und ich möchte lernen, ein gesundes und nachhaltiges Leben bewusst zu leben und wertzuschätzen.

Die Ernährung, der ich mich widmen werde, wird in den kommenden 60 Tagen aus reichlich Gemüse, Obst, Nüssen und Samen bestehen, aber auch zum wesentlich geringeren Teil aus Fleisch, Fisch und Eiern. Milch, Milcherzeugnisse, Getreideprodukte und Zucker werden meinen Speiseplan nicht füllen.

Anders als bei der Steinzeiternährung üblich, möchte ich mich bei meiner Ernährungsweise vor allem an den indigenen Völkern und unseren nächsten Verwandten orientieren und die 97-3-Regel befolgen, in keinem Fall aber weniger als 95% meiner Ernährung aus pflanzlichen Erzeugnissen bestehen lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere