Ernährung

Die süße Verführung – entgegen dem Bauchgefühl

Wie lässt sich ein ausgewogener Tag gestalten, bei bestehender Fructoseintoleranz? Welche Nahrungsmittel sind hier besonders gut geeignet? Welchem Essen sollte ich den Vorzug geben, damit ich vital und energiegeladen in den Tag starten kann?

Wer nun meint, meine Antwort darauf in der ersten Woche meines Selbstversuches lautete Gemüse, Fisch, Fleisch, Nüsse oder Kartoffeln, dem sei gesagt, er irrt. Total übermotiviert und angezogen von den vielen bunten Farben der Früchte, die mich im Bioladen von allen Seiten anstrahlten, wusste ich, Obst ist das Beste, womit ich meinen Körper verwöhnen kann. Jegliche negativen Effekte, die tägliches Obst essen bei mir in der Vergangenheit ausgelöst hatten, habe ich fröhlich verdrängt, denn Paleo und daran angelehnte Ernährungsweisen beinhalten schließlich auch eben solche Produkte. Und wer sich gesund ernährt, der tut dem Körper schließlich nur Gutes.

Folglich stand bei mir jeden Tag etwas Obst mit auf dem Speiseplan. Und das noch nicht mal viel, wenn man es genau nimmt. Morgens habe ich mir in meinen Quark entweder eine Banane, eine Nektarine oder einen halben Apfel geschnitten. Das wird schon nicht so schlimm sein, dachte ich mir. Aber am Montagnachmittag der zweiten Woche wusste ich: falsch gedacht. Die plötzlich und heftig einsetzenden Bauchschmerzen führten mir vor Augen, wie ich mich mal wieder prima selbst beschwindelt hatte.

Also hieß es, das Steuer um 180 Grad rumzureißen und Obst komplett für ein paar Tage von der Speisekarte zu streichen. Doch nicht nur das Obst; um möglichst schnell wieder ohne Bauchschmerzen den Tag zu verbringen, verordnete ich mir für 3 Tage eine Möhrenbrei-Kur. Zum Glück handelt es sich bei dieser Kur allerdings um eine durchaus sehr köstliche, wenn man denn wie ich gerne Möhren isst.

Das Rezept ist obendrein sehr simpel und dennoch zu empfehlen für jeden, der unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidet (außer natürlich, die Unverträglichkeit bezieht sich auf einen der Inhaltsstoffe). Benötigt werden:

Möhren, Wasser, Gemüsebrühe und etwas Butter

Die Möhren werden geschält, in Scheiben/Stücke geschnitten und anschließend in einem Topf mit Wasser eine Stunde lang gekocht (alle Möhren sollten bedeckt sein). Nach einer Stunde wird etwas Butter und Gemüsebrühe hinzugegeben und alles zusammen püriert. Bei Bedarf ist etwas heißes Wasser nachzufüllen.

Ich habe wahlweise mal ein paar Kartoffeln oder etwas Fleisch dazu gegessen. Dies steht natürlich jedem nach Belieben frei, hier kommt es zudem auch darauf an, was einem in dem Moment gut tut. Obst wäre allerdings eine schlechte Alternative bei Fructoseintoleranz.^^ Nach drei Tagen ging es mir mit dieser Ernährung wieder gut und die Schmerzen waren verschwunden. Jetzt achte ich allerdings darauf, dass ich nur noch jeden zweiten Tag etwas Obst esse.

Warum überhaupt Obst bei Fructoseintoleranz und was ist das eigentlich genau?

Fructoseintoleranz bezeichnet eine gestörte Funktion des Dünndarms, die zu sich genommene Fruktose ausreichend ins Blut zu transportieren. Die Folge können Beschwerden sein, die denen eines Reizdarms ähneln, was deshalb beim Arzt manchmal zu falschen Diagnosen führt. Zumal die Symptome nicht immer eindeutig sowie in ihrer Ausprägung und Intensität stark unterschiedlich sind. Bei mir äußert sich ein Zuviel an Obst ausschließlich in Bauchschmerzen. Andere wiederum haben z.B. Aufstoßen, einen Blähbauch (inklusive Blähungen) oder Durchfall.

Wenn jemand bei sich bemerkt, dass sein Körper nach dem Essen von Obst bzw. Fruktose anders reagiert oder Auffälligkeiten zeigt, dann kann er beim Gastroenterologen einen Test durchführen lassen. Hierzu wird auf leeren Magen eine Fruchtflüssigkeit getrunken und im Anschluss daran über einige Stunden ein Atemtest durchgeführt, wo der nicht aufgenommene Fruchtgehalt in der Atemluft gemessen wird. Einen äquivalenten Test gibt es z.B. auch für das Testen auf Laktoseintoleranz.

Bei mir wurde die Fructoseintoleranz vor ungefähr zwei Jahren festgestellt, allerdings gehe ich davon aus, sie schon seit einer Ewigkeit zu haben, wenn es auch nie als solche erkannt wurde. Da bei mir die Symptome allerdings nicht so stark ausgeprägt sind und ich auch zuvor recht intuitiv darauf verzichtet habe, sehr viel Obst zu mir zu nehmen, hat es auf meine Ernährung nie einen großen Einfluss gehabt. Wenn ich jeden zweiten oder dritten Tag etwas Obst esse, bleiben die Beschwerden aus und es geht mir körperlich gut. Die Momente, wo ich es aufgrund der inneren Gelüste nach etwas Süßem nicht im Griff habe, lassen sich durch einen radikalen Verzicht auf Obst immer relativ schnell wieder ausbügeln. Ich muss dann also die Suppe ein paar Tage auslöffeln, aber danach ist wieder alles im Lot. Letztendlich hilft mir mein Bauchgefühl von alleine dabei, diese Unverträglichkeit zu kompensieren.

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