Gesundheit

Warum ich auf dem Boden schlafe

Warum ich auf dem Boden schlafe? Nun, ich möchte ganz ehrlich zu dir sein. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war zunächst ein kaputtes Bett und ein leeres Portemonnaie. Doch schon nach einigen Nächten musste ich feststellen, dass das Schlafen auf dem Boden deutliche Vorteile hat, die ich dir in diesem Artikel gerne näherbringen möchte.

Bodenschlaf im Überblick

  • Du kannst wahlweise direkt auf dem Boden schlafen, eine Matte oder Matratze verwenden oder mehrere Unterlagen schichten
  • Die ersten Nächte können (und werden) mit Rücken- sowie Nackenschmerzen und Schulterverspannungen enden
  • Achte darauf, deinen Kopf nicht zu hoch zu lagern

Warum ich auf dem Boden schlafe

Meine ersten Erfahrungen mit dem Schlafen auf dem Boden haben damit begonnen, dass das Bett langsam und allmählich den Geist aufgab. Neben einem Lattenrost, das immer wieder hin und her rutschte und gelegentlich auch mal auf dem Boden aufschlug, war auch die Matratze nicht mehr schlaftauglich.

Meine Nächte bestanden aus einem regelrechten Kampf gegen eine aufgeweichte Unterlage mit Federn, die nicht mehr federten, was meist in einer morgendlichen Katastrophe für meine Lendenwirbel endete.

Da kein Geld für ein neues Bett vorhanden war, entschied ich mich dazu vorübergehend auf dem Boden zu schlafen. Von meinen vielen Ausflügen in die Natur bin ich es durchaus gewohnt auf einem etwas härteren Untergrund zu schlafen, allerdings wusste ich auch, dass meine Nächte zumeist mit vielen unruhigen Wachphasen verbunden waren und die „Nachtruhe“ keinesfalls der passende Begriff für das war, was ich die bodennahen Nächte zuvor erlebt habe.

Und ähnlich wie das Übernachten in der Natur war es dann auch in der eigenen Wohnung. Meine ersten Nächte waren unruhig und von Erholung konnte keine Rede sein. Nackenschmerzen und Schulterverspannungen wurden zu meinem täglichen Begleiter und meine Verzweiflung wuchs.

Doch schon nach den ersten zwei bis drei Wochen merkte ich allmähliche Unterschiede. Meine Verspannungen verschwanden, meine Nackenschmerzen gingen und auch die damit einhergehenden Kopfschmerzen haben sich gelöst. Im Vergleich zum Schlafen im Bett ist mein Schlaf mittlerweile auch wesentlich erholsamer: Wo ich früher erst einmal eine gute Stunde brauchte, um überhaupt auch nur ansatzweise ansprechbar zu sein, springe ich mittlerweile morgens auf und bin direkt fit.

Mittlerweile schlafe ich nun schon seit ungefähr sechs Monaten auf dem heimischen Boden – mal im Wohnzimmer, mal im Bürozimmer, mal im Schlafzimmer – und ich bin noch immer positiv überrascht von den Veränderungen, die sich durch mein neues Schlafverhalten ergeben haben.

Was brauche ich, um auf dem Boden zu schlafen?

Um auf dem Boden zu schlafen benötigst du nicht sonderlich viel. Das Schöne am Bodenschlaf ist, dass du selbst entscheiden kannst wie du dein Bett gestalten möchtest.

Ich selbst ziehe es, vor mehrere dünne Unterlagen zu verwenden, die aus einer Isomatte (Therm-a-Rest Z-Lite)*, einer handelsüblichen Bettdecke und wahlweise auch einigen Fleece-Decken bestehen. Zum Zudecken und Einkuscheln verwende ich meinen heißgeliebten Sommerschlafsack der Firma Mivall* und an kalten Tagen zusätzlich noch eine Kuscheldecke.

Decken

Der Vorteil mehrerer Decken als Unterlage besteht vor allem darin, dass man selbst und auch abhängig von der eigenen Tagesform entscheiden kann, wie hart oder weich das auf dem Boden hergerichtete Bett sein soll.

Für mich ist diese Flexibilität mitunter am wichtigsten, weshalb ich mich für diese Methode entschieden habe.

Matratze

Natürlich kannst du aber auch eine ganz normale Matratze auf den Boden legen und auf dieser nächtigen. Beachte dabei allerdings, dass Matratzen dazu neigen zu schimmeln, da die Luft mangels Bettgestell nicht ausreichend zirkulieren kann.

Tatami

Wenn du dir die japanischen Schlafbräuche zum Vorbild machen möchtest, dann ist das Tatami* vielleicht der richtige Weg für dich. Das Tatami stammt ursprünglich aus Japan und ist im Grunde genommen nichts anderes als eine aus Reisstroh gepresste Matte. Nicht selten wird das Tatami dabei als erste Schicht für ein Futon-Bett verwendet. Du kannst aber auch direkt darauf schlafen.

Felle

Ähnlich wie bei den Decken gibt es natürlich auch die Möglichkeit Felle als Schlafunterlage zu verwenden, was vor allem bei Anhängern der Paleo-Bewegung großen Anklang findet.

Fell hat durch seinen natürlichen Ursprung nicht nur isolierende, sondern darüber hinaus auch noch wärmende Eigenschaften, was es vor allem beim Schlafen auf dem Boden äußerst vorteilhaft macht.

Ob du den Einsatz von Fell ethisch vertreten kann, musst du dabei selbstverständlich selbst entscheiden.

Worauf sollte ich achten?

Wenn du auf dem Boden schlafen möchtest, dann gibt es ein paar wenige Dinge, die du beachten solltest, um ein sprichwörtlich böses Erwachen zu vermeiden.

Isolierung

Die Isolierung ist wohl einer der wichtigsten Faktoren, die du zwingend beachten und berücksichtigen musst, um gesundheitliche Beschwerden zu vermeiden.

Üblicherweise ist der Boden kälter als die Raumtemperatur selbst. Vor allem unsere Nieren reagieren sehr empfindlich auf kalte Böden, weshalb man immer für einen Ausgleich der Bodentemperatur sorgen sollte.

Wenn du also keine Bodenheizung besitzt oder direkt an einem lodernden Kamin schlafen kannst, dann brauchst du unbedingt eine isolierende Unterlage, beispielsweise eine Isomatte.

Komfort

Erst dann, wenn wir uns richtig wohl in unserem Bett fühlen, schlafen wir schnell und sanft ein. Deshalb darf auch der Komfort nicht zu kurz kommen.

Da du vermutlich die meiste Zeit deines Lebens in einem Bett geschlafen hast, wäre es irrsinnig zu erwarten, dass die ersten Nächte wirklich angenehm werden und das gilt vor allem dann, wenn du einen besonders harten Untergrund wählst.

Fange daher lieber mit einer weicheren Unterlage an und gewöhne dich langsam an das härtere Liegen, indem du immer wieder mal eine Lage wegnimmst.

Kopflage

Nicht zu unterschätzen ist auch die Kopflage. Ich selbst liebe eine hohe Kopflage und mein Kissen kann eigentlich gar nicht groß genug sein, damit ich mich richtig wohlfühle. Wenn du auf dem Boden schläfst, dann funktioniert aber eben das nicht.

Dadurch, dass dein Kopf über Nacht eine Schieflage hat, die mangels des weichen Untergrundes nicht ausgeglichen werden kann, wirst du mit Schulterverspannungen und Kopfschmerzen zu kämpfen haben.

Auch hier gilt, dass eine Schritt-für-Schritt-Umgewöhnung der ideale Weg ist, damit du deine persönliche Komfortzone findest, die dich nicht nur gut schlafen, sondern vor allem auch gut über den Tag kommen lässt.

Beachte bei der Kopflage auch, dass die ideale Kopfhöhe dann erreicht ist, wenn dein Hals eine gerade Position hat. Vor allem dann, wenn du Seitenschläfer bist, ist das wichtig.

Bodenschlaf im Trend

Was vor allem in Japan für fast 50% der Bevölkerung ein fester und gewohnter Bestandteil des Alltages ist, ist in unseren Breitengraden bisher nur wenig populär geworden.

Noch hört man hierzulande relativ wenig davon, dass immer mehr Menschen ihr gemütliches Bett gegen den harten Boden eintauschen. Doch es zeichnet sich zunehmend ein Trend ab, der das bald ändern könnte.

Bodenschlaf: Eine minimalistische Entscheidung

Für Minimalisten steht vor allem ein einfaches Leben im Vordergrund, weshalb dieser Lifestyle im Englischen auch schlicht als „simple living“ bezeichnet wird.

Das einfache Leben zeichnet sich besonders dadurch aus, dass man sich Alternativen zum gängig praktizierten Konsumverhalten sucht und der Überflussgesellschaft ein deutliches „Nein!“ entgegen bringt.

Dementsprechend nachhaltig denken, handeln und konsumieren Minimalisten auch, was sich nicht zuletzt in ihrer Schlafstätte bemerkbar macht.

Immer mehr Minimalisten schlafen auf dem Boden. Das hat unter anderem den Vorteil, dass das eigene Bett nicht mehr kaputt gehen gehen kann und man unnötige Neuanschaffungen vermeidet, dann gibt es aber ebenfalls noch den durchaus überzeugenden Vorteil der Flexibilität:

Ein Bodenbett ist schnell und einfach eingerichtet, so dass es täglich abgebaut und in eine Schublade verbannt werden kann. Das spart Platz und somit unnötig verbrauchten Raum. Hinzu kommt, dass man sein Bett theoretisch auch im Rucksack mich sich herumführen kann, was vor allem für die Minimalisten unter euch toll ist, die gerne durch die Welt reisen.

Paleo: Schlafverhalten in der Steinzeit als Vorbild

In der Paleo-Bewegung steht hingegen nicht zwingend die Einfachheit im Vordergrund, sondern vor allem das Bewusstsein über die eigene Gesundheit.

Paleo beschreibt dabei die Ansicht, dass der Mensch sich seit der Steinzeit nur kaum weiterentwickelt hat und den modernen Gewohnheiten und Trends nicht mehr folgen kann, weshalb es sinnvoller ist zu (einigen) Gewohnheiten des Paläolithikums zurückzukehren.

Dabei wird vor allem Wert auf die sogenannte Steinzeiternährung gelegt, die unter anderem Weizen, Hülsenfrüchte, Zucker und Milch meidet, dafür aber auf eine sehr fettreiche fleischliche Kost mit ursprünglichen Zutaten setzt.

Doch die Nahrungsaufnahme allein macht aus einem Menschen noch keinen Steinzeitmenschen. Und so entscheiden sich auch immer mehr Anhänger der Paleo-Bewegung dafür, auf dem Boden zu nächtigen um gesünder zu werden oder gesund zu bleiben. Allen voran mit dem Argument, dass die Menschen in der Steinzeit eben auch kein Bett hatten.

Welche Vorteile hat das Schlafen auf dem Boden?

  • Mehr Platz
  • Geldersparnis
  • Keine Fallhöhe (geringeres Verletzungsrisiko)
  • Ein leichteres Aufstehen
  • Mehr Flexibilität und räumliche Freiheit
  • Langfristig weniger Rücken- und Nackenschmerzen
  • Langfristig weniger Verspannungen
  • Ein ruhigerer und erholsamerer Schlaf

Welche Nachteile hat das Schlafen auf dem Boden?

  • Lange Eingewöhnungszeit
  • Anfängliche Verspannungen
  • Man liegt näher am Hausstaub (Allergien beachten)

Fazit

Trotz der langen Eingewöhnungszeit bin ich froh, diese anfangs unfreiwillige Erfahrung gemacht zu haben. Vor allem meinen Lendenwirbeln geht es spürbar besser und auch die Schulterverspannungen haben nachgelassen. Neben der Gesundheit überzeugt mich aber auch noch immer die dazugewonnene Flexibilität, die sich vor allem dann auszahlt, wenn man viel unterwegs ist und sein Bodenbett hinsichtlich des Gewichtes und der verwendeten Materialien auch auf seinen Rucksack anpasst. Oder natürlich auch dann, wenn man räumlich flexibel sein oder bleiben möchte. Ebenfalls überzeugend war für mich die Erholsamkeit des Schlafes. Doch nicht nur die Erholsamkeit selbst ist ein absoluter Pluspunkt, sondern auch das schnellere und fittere morgendliche Wachwerden hilft ungemein bei einem angenehmen Start in den Tag.

Ob du künftig auch auf dem Boden schlafen möchtest, musst du natürlich ganz alleine entscheiden. Für mich ist dieses unfreiwillige Experiment durchaus geglückt und ich würde es jederzeit wieder genau so machen.

1 thought on “Warum ich auf dem Boden schlafe”

  1. Ich schlafe seit September 2018 auf dem Fussboden. Bei mir war es eine absichtliche Entscheidung, da ich einfach genug hatte vom müden Rücken nach dem Aufstehen. Du gibst für alle Neulinge zu dem Thema einen super Überblick um den Einstieg so einfach wie möglich zu machen. Finde ich super und das auf dem Fussboden-Schlafen werde ich wohl nicht mehr hergeben.

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